Vorderes Kreuzband (VKB): Wann ist eine Operation nötig?

Eine plötzliche Drehung beim Fußballspiel, ein ungünstiger Sturz auf der Skipiste oder eine schlechte Landung nach einem Sprung beim Basketball ... Die meisten Verletzungen des vorderen Kreuzbands (VKB) ereignen sich genau in solchen Momenten, und das häufig sogar ohne jeglichen Kontakt mit einem Gegner. Ein „Knall“-Geräusch aus dem Knie, eine anschließend rasch entstehende Schwellung und das Gefühl, dem Knie nicht mehr vertrauen zu können, sind ein Bild, das viele Sportlerinnen und Sportler gut kennen. Aber erfordert jeder VKB-Riss eine Operation? In diesem Beitrag betrachten wir gemeinsam, wie eine Verletzung des vorderen Kreuzbands entsteht, auf welche Symptome Sie achten sollten, nach welchen Kriterien die Operationsentscheidung getroffen wird und wie die Rückkehr zum Sport verläuft.
Was ist das vordere Kreuzband und wie reißt es?
Das vordere Kreuzband ist ein kräftiges Band, das Oberschenkelknochen (Femur) und Schienbein (Tibia) genau in der Mitte des Kniegelenks miteinander verbindet und verhindert, dass das Schienbein nach vorn gleitet und das Knie bei Drehbewegungen wegkippt. Sie können es sich als die „Stabilitätssicherung“ Ihres Knies vorstellen. Ein beträchtlicher Teil der Verletzungen entsteht durch einen kontaktlosen Mechanismus: Ein plötzlicher Richtungswechsel des Körpers bei fixiertem Fuß, eine Landung nach einem Sprung, bei der das Knie nach innen einknickt, oder abruptes Abstoppen bei hoher Geschwindigkeit können eine Belastung erzeugen, die größer ist, als das Band tragen kann, und so zum Riss führen.
- Sportarten mit plötzlichen Richtungswechseln wie Fußball, Basketball und Handball
- Stürze beim Ski- und Snowboardfahren, bei denen das Knie verdreht wird
- Unkontrollierte Landungen nach einem Sprung, bei denen das Knie nach innen einknickt
- Verkehrsunfälle und direkte Schläge auf das Knie
„Mein Knie knickt weg“: Die charakteristischste Beschwerde
Im Moment der Verletzung beschreiben die meisten Patientinnen und Patienten ein Reißgeräusch oder ein Reißgefühl aus dem Knie. In den ersten Stunden entwickelt sich infolge einer Einblutung ins Gelenk meist eine deutliche Schwellung, und häufig ist es nicht mehr möglich, den Sport fortzusetzen. Nach dem Abklingen der akuten Phase ist die typischste Beschwerde das „Wegknicken“: dass das Knie beim Treppabsteigen, bei plötzlichen Drehungen oder beim Gehen auf unebenem Boden für einen Augenblick außer Kontrolle gerät und keine Sicherheit mehr gibt, als würde es unter Ihnen wegrutschen. Dieses Gefühl ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass die vom vorderen Kreuzband gewährleistete Rotationskontrolle geschwächt sein könnte. Wiederkehrende Wegknick-Episoden sollten ernst genommen werden, da sie im Laufe der Zeit zu zusätzlichen Schäden an anderen Strukturen wie dem Meniskus und dem Gelenkknorpel führen können.
Wie wird die Operationsentscheidung getroffen?
Die Diagnose eines VKB-Risses wird durch die gemeinsame Beurteilung einer ausführlichen Knieuntersuchung und einer MRT-Bildgebung gestellt; die Operationsentscheidung wird jedoch nicht allein anhand des MRT-Befundes getroffen. Die Entscheidung wird individuell gestaltet, indem Ihr Alter, Ihr Aktivitätsniveau, der Grad der Instabilität in Ihrem Knie, begleitende Meniskus- oder Knorpelverletzungen und Ihre Erwartungen an den Sport zusammen berücksichtigt werden.
Für wen kann eine Behandlung ohne Operation geeignet sein?
Bei Patientinnen und Patienten, die keine Sportarten mit Drehungen und plötzlichen Richtungswechseln ausüben, im Alltag kein Wegknicken verspüren und über eine gute Muskelkraft verfügen, kann eine Behandlung ohne Operation mit einem strukturierten Physiotherapieprogramm in Betracht gezogen werden. Bei diesen Patientinnen und Patienten wird die kniegelenkumgebende Muskulatur durch regelmäßige Übungen gekräftigt und das Knie in bestimmten Abständen kontrolliert; wenn die Beschwerden fortschreiten, wird der Behandlungsplan erneut überprüft.
Situationen, in denen wir in der Regel eine operative Behandlung empfehlen
- Patientinnen und Patienten, die aktiv Sportarten mit Drehbewegungen (Pivot) wie Fußball oder Basketball fortsetzen möchten
- Personen, die selbst im Alltag wiederkehrende Wegknick-Episoden erleben
- Verletzungen, die mit einem reparablen Meniskusriss einhergehen
- Situationen, in denen mehrere Bänder gleichzeitig verletzt sind
- Jüngere Patientinnen und Patienten mit hohem Aktivitätsniveau und hohen Erwartungen
“Bei der VKB-Chirurgie ist unser Ziel nicht nur, das gerissene Band wiederherzustellen, sondern Ihnen zu helfen, Ihrem Knie wieder vertrauen zu können.”
VKB-Rekonstruktion: Wie wird das Band wiederhergestellt?
Ein gerissenes vorderes Kreuzband lässt sich in den meisten Fällen nicht durch Nähen reparieren; stattdessen wird es mit einem als „Rekonstruktion“ bezeichneten Verfahren neu aufgebaut. Bei dieser mit arthroskopischer (minimalinvasiver) Technik durchgeführten Operation wird ein Sehnentransplantat, das in der Regel aus dem eigenen Körper der Patientin oder des Patienten entnommen wird (Hamstring-, Patellar- oder Quadrizepssehne), in die anatomische Position des alten Bandes eingebracht, durch in die Knochen gebohrte Kanäle geführt und mit speziellen Implantaten fixiert. Begleitende Probleme wie ein Meniskusriss können meist in derselben Sitzung mitbehandelt werden. Ein beträchtlicher Teil der Patientinnen und Patienten kann noch am selben oder am nächsten Tag entlassen werden und im Rahmen eines Rehabilitationsprogramms innerhalb weniger Wochen schrittweise zu den Aktivitäten des täglichen Lebens zurückkehren.
Rückkehr zum Sport: Warum sind 8 bis 12 Monate Geduld nötig?
Dass das eingebrachte Transplantat in den Knochenkanälen einwächst und biologisch reift, um sich in echtes Bandgewebe umzuwandeln, ist ein zeitaufwendiger Vorgang. Auch wenn das Transplantat in der Frühphase mechanisch stabil erscheint, dauert es Monate, bis das Gewebe eine ausreichende Belastbarkeit erreicht. Deshalb wird die Rückkehr zu Kontakt- und Drehsportarten in der Regel für einen Zeitraum von 8 bis 12 Monaten geplant; diese Zeit richtet sich weniger nach dem Kalender als nach den funktionellen Kriterien, die die Patientin oder der Patient erreicht hat.
- 0–6 Wochen: Kontrolle der Schwellung, Wiedererlangen des vollen Bewegungsumfangs des Knies und Gehen ohne Hilfsmittel
- 6 Wochen – 3 Monate: Schrittweiser Aufbau von Muskelkraft und Gleichgewicht
- 3–6 Monate: Beginn des Laufens, Beweglichkeitsübungen und Übergang zu sportartspezifischen Bewegungen
- 6–12 Monate: Vollständige Rückkehr zum Sport, nachdem eine ausreichende Leistung in Kraft- und Sprungtests erreicht wurde
Der häufigste Fehler in diesem Verlauf ist eine zu frühe Rückkehr, nur weil sich das Knie „gut anfühlt“. Übereiltes Vorgehen ist einer der wichtigsten Faktoren, die das Risiko einer erneuten Verletzung sowohl des neuen Bandes als auch des gegenseitigen Knies erhöhen. Regelmäßige Physiotherapie und ein testbasierter Fortschritt sind für eine sichere Rückkehr von großer Bedeutung.
Wenn Ihr Knie Ihnen bei Drehbewegungen keine Sicherheit gibt, Sie ein wiederkehrendes Wegknicken verspüren oder Schwellung und Schmerzen nach einer beim Sport erlittenen Verletzung anhalten, empfehle ich Ihnen, diese Symptome nicht aufzuschieben und eine Fachärztin oder einen Facharzt für Orthopädie und Traumatologie aufzusuchen. Eine frühzeitige und korrekte Beurteilung ist von großer Bedeutung, um sowohl möglichen zusätzlichen Schäden in Ihrem Knie vorzubeugen als auch den für Ihren Lebensstil am besten geeigneten Behandlungsplan festzulegen.
Häufig gestellte Fragen
Ist bei einem Riss des vorderen Kreuzbands zwingend eine Operation nötig?
Wie lange dauert die Rückkehr zum Sport nach einer VKB-Operation?
Was passiert, wenn ein VKB-Riss nicht operiert wird?
Was bedeutet ein Wegknicken im Knie?
Dieser Beitrag dient der Aufklärung; er ersetzt keine Diagnose und Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden unbedingt an eine Ärztin oder einen Arzt.
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